Swissmem Network: «Von der guten Sache überzeugt»

By 2. Mai 2019 Nachrichten

So individuell wie seine Aufzüge sind beim Liftbauer Emch die Personallösungen: Patron Bernhard Emch beschäftigt auch zwei Mitarbeiter, die nicht 100 Prozent leisten.

«Ich habe hier meinen Traumjob gefunden», stellt Safet Crnovrsanin klar. Seit Juli ist der 50-Jährige beim Liftbauer Emch im bernischen Bümpliz fest angestellt, erledigt im Lager Verpackungsarbeiten, bereitet Material für die Baustellen vor, übernimmt Montageaufträge. Dass er überhaupt wieder einmal arbeiten und einen festen Tagesablauf haben würde, konnte sich der Mann aus Bosnien lange Zeit nicht vorstellen. Nach einem Berufsunfall vor sechs Jahren war er nämlich erst mal arbeitsunfähig – der Beginn einer Abwärtsspirale, die auf dem Sozialamt endete. Dabei hatte Crnovrsanin den Glauben an sich selbst verloren. Dass CEO Bernhard Emch an ihn glaubte, ist kein Zufall: «Schon über meinen Vater sagten die Leute, er wäre besser Pfarrer geworden statt Patron», sagt der Chef der Firma Emch halb im Scherz. Sein Engagement allerdings nimmt er sehr ernst: «Wenn man etwas gibt, bekommt man auch etwas zurück.» So baut Emch nicht nur Lifte in vierter Generation, er ist auch Präsident des Berner Vereins «Jobtimal». Über diesen ist Safet Crnovrsanin auch zur Firma Emch gekommen. «Es gewinnen drei Seiten», erklärt
der CEO das Teillohnmodell des Vereins: «Die Unternehmung, die arbeitslosen Menschen und der Steuerzahler.» Crnovrsanin verdient entsprechend seiner Leistungsfähigkeit – am Anfang betrug diese 60 Prozent, womit er auch 60 Prozent des üblichen Lohns verdiente. Die restlichen 40 Prozent bezahlte das Sozialamt. Insgesamt erhielt Crnovrsanin mehr als ohne Arbeit. Und das Amt musste weniger zahlen als zuvor. «Es kann sehr gut sein, dass eine Person plötzlich wieder 100 Prozent leistet», versichert Emch. Um das zu erreichen und eine Person erfolgreich zu  integrieren, müssen die Voraussetzungen bei einem Arbeitgeber aber stimmen: «Ein Unternehmen muss von der guten Sache überzeugt sein», stellt Emch klar. Arbeitgeber, die einfach Kosten einsparen wollten, seien nicht die richtigen Partner – zumal auf sie, besonders am Anfang, Mehraufwand zukommt. «Es braucht Betreuung », erklärt Emch. Alles in allem lohnt sich die  Zusammenarbeit mit «Jobtimal» für ein Unternehmen aber durchaus auch finanziell. «Die Leute sind so motiviert, dass sich das positiv auf die anderen Mitarbeiter und damit auf den Unternehmenserfolg auswirkt.» Aber: «Die direkten Vorgesetzten müssen von Anfang an mit ins Boot geholt werden», betont Emch. Es gelte, transparent zu kommunizieren, Vorurteile gar nicht erst aufkommen zu lassen. Bei Emch ist dies gelungen: «Ich habe nie ein Vorurteil gespürt», sagt Kevin Zurflüh. Der 28-Jährige geht wegen einer Kinderlähmung an Krücken und hat eine IV-Anlehre als Logistiker gemacht, bevor er fest angestellt wurde. Mittlerweile gehört er seit zehn Jahren zum festen Stab des Liftbauers – ein Glücksfall für den CEO. «Es gibt keine Hürde, die dieser Mann nicht nimmt.»

«Jobtimale» Leute finden

Passende Mitarbeiter sind schwierig zu finden, besonders für einfachere Arbeiten – diese Erfahrung macht Bernhard Emch, CEO des gleichnamigen Liftbauers in Bern. «Dabei gibt es diese
Leute», ist Emch überzeugt, «etwa bei den Langzeitarbeitslosen, die arbeiten wollen.» Genau solche geht der Verein «Jobtimal» in der Stadt Bern mit einem Teillohnmodell an. Ein Vorteil für Unternehmen: Sie können Mitarbeiter für eine gewisse Zeit zur Probe anstellen, bevor sie diese fix übernehmen.

Swissmem Network, April 2015: Link zum Artikel