Berner KMU: «Erfolgsgeschichte Jobtimal: Arbeit statt Sozialhilfe»

By 18. Oktober 2017 Nachrichten

„Jobtimal“ = Optimal für KMU

Die Arbeitsvermittlung Jobtimal ist eine Erfolgsgeschichte, die für einmal das Leben schreibt: In den letzten vier Jahren konnten über 70 Sozialhilfebezüger wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. Einer davon ist Mario Lüthi. Der 56-jährige arbeitet seit fünf Monaten im KMU-Betrieb «Keiser und Piccioni» in Wabern und ist für seinen Chef Daniel Keiser ein echter Glücksfall.

Autorin: Nina Zosso

Daniel Keiser findet über Mario Lüthi nur lobende Worte: «Mario arbeitet sehr selbstständig. Er ist sehr pflichtbewusst und hat gute Ideen; so hat er zum Beispiel innerhalb ein paar Wochen das ganze Lager aufgeräumt. Er ist ein echter Glücksfall für unseren Betrieb.» Das sei aber nicht der einzige Vorteil betont Daniel Keiser. «Ich kann Jobtimal wirklich allen KMU empfehlen, denn es verursacht keinen zusätzlichen administrativen Aufwand und ist absolut risikofrei. Wir Unternehmer können mit diesem Projekt nur gewinnen.»

So funktioniert das Erfolgsmodell Jobtimal

Anders als viele andere Sozialfirmen und Integrationsprogramme vermittelt Jobtimal Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt und funktioniert nach dem Teillohnmodell. Der Arbeitgeber zahlt einen reduzierten Lohn, welcher der Leistungsfähigkeit angepasst ist. Den Rest – damit der entsprechende Minimallohn trotzdem gewährleistet ist – übernimmt nötigenfalls die Sozialhilfe. Für Franz Reber, der das Projekt leitet und koordiniert, ist es besonders wichtig, die Unternehmen eng zu begleiten: «Wir sind ständig auf der Suche nach Unternehmen, die eine Teillohnstelle schaffen möchten und besprechen mit ihnen mögliche Einsatzbereiche. Die Vermittlung macht nur dann Sinn und ist nur dann nachhaltig, wenn sie für beide Seiten auch wirklich stimmt.» Aus diesem Grund führt Jobtimal auch die Bewerbungsgespräche durch und schliesst dann mit dem Unternehmen einen Verleihvertrag ab, der maximal 24 Monate dauert und jederzeit in ein festes Arbeitsverhältnis überführt werden kann. Die enge Begleitung im gesamten Integrationsprozess übernimmt ebenfalls Franz Reber und sein dreiköpfiges Team.

Menschen wie du und ich eine Chance geben

«Natürlich haben wir nach wie vor auch mit Vorurteilen zu kämpfen» gibt Franz Reber zu. «Jobtimal vermittelt aber keine Freaks, sondern Menschen wie du und ich. «Mir kommt als Paradebeispiel immer wieder ein Bäckermeister aus Ittigen in den Sinn. Er kam nach über 200 erfolglosen Bewerbungen zu uns, nachdem er aus Scham bereits sechsmal vor unserer Türe wieder kehrtgemacht hatte. Nie hätte er sich vorher vorstellen können einmal keine Arbeit mehr zu finden und Sozialhilfe beanspruchen zu müssen.» Ähnliches hat auch Mario Lüthi erlebt. Er war zwanzig Jahre lang zusammen mit seinem Vater als Maler selbstständig. Nach dessen Tod 2011 und durch die Betreuung seiner pflegebedürftigen Mutter rutschte er in die Sozialhilfe ab. «Ich bin so froh und dankbar, wieder einen Job zu haben. Endlich hat mein Leben wieder eine Struktur und ich bin wieder etwas wert» so Mario Lüthi.

Wirtschaftlich und sozial wertvoll

Hinter der Erfolgsgeschichte Jobtimal steht Bernhard Emch, Präsident des HIV Sektion Bern und Geschäftsleiter EMCH Aufzüge AG. «Als die Stadt Bern mit der Idee für das Integrationsprojekt
auf mich zugekommen ist, war die Skepsis in Politik und Wirtschaft um mich herum ziemlich gross. Ich war aber von Anfang an überzeugt und würde es jederzeit wieder machen. Wir haben selber auch einen von Jobtimal vermittelten Mitarbeiter bei uns im Betrieb. Neben dem wirtschaftlichen Aspekt sind unsere Mitarbeitenden auch sehr stolz, einem Menschen wieder einen Platz im Arbeitsleben zu geben, was sich wiederum positiv auf das ganze Betriebsklima auswirkt. Zudem entlastet jede von Jobtimal vermittelte und im ersten Arbeitsmarkt wieder integrierte Person den Steuerzahler. Es ist also wirklich eine win-win-win- Situation.»

Weitere KMU-Betriebe gesucht

Daniel Keiser hat am BEA-Stand per Zufall von Jobtimal erfahren. «Ich bekam vom Gewerbeverband KMU Stadt Bern die Möglichkeit, den Stand einen Tag zu nutzen und an diesem Tag war zufälligerweise auch Jobtimal vor Ort. Wir kamen ins Gespräch und für mich war schnell klar, dass ich hier gerne mitmache, auch wenn wir mit sechs Mitarbeitern und einem Lehrling nur ein kleiner Betrieb sind.» Neben der Suche nach weiteren KMU-Betrieben, die bei Jobtimal mitmachen, steht auch der Ausbau des Kompetenzzentrums im Zentrum. Bis jetzt beschränkt sich das Projekt auf die Stadt und den Grossraum Bern. Der neu gegründete Beirat, indem auch Berner KMU vertreten ist, soll mithelfen, Jobtimal auf den ganzen Kanton Bern auszudehnen.

Berner KMU, Nr. 10 2017, Oktober 2017: Link zum Artikel