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Berner KMU Aktuell: „jobtimal – auch für KMU optimal!“

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Die Arbeitsvermittlung jobtimal ist eine Erfolgsgeschichte, die für einmal das Leben schreibt: In den letzten acht Jahren konnten über 200 Sozialhilfebezüger wieder in den Arbeitsmarkt integriert werden. Auch der Gewerbeverband Berner KMU engagiert sich seit vier Jahren aktiv für das Projekt. In unserem Interview zieht Teamleiter Franz Reber eine Zwischenbilanz und stellt die nächsten Ziele vor.

Franz Reber, seit unserem letzten Gespräch sind über vier Jahre vergangen, was hat sich in der Zwischenzeit bei jobtimal getan?

Sehr vieles. Wir sind gewachsen – im Teillohnangebot arbeiten aktuell sechs JobCoaches, jeweils zuständig für die einzelnen Regionen im Kanton Bern. Zudem gewannen wir vor ein paar Monaten eine Ausschrei-bung. Dabei handelt es sich um einen schweizweiten Piloten, mit Ziel, über 50-jährige Stellensuchende, die kurz vor der Aussteuerung beim RAV stehen, aktiv bei der Stellensuche und mit Coaching zu unterstüt-zen. Gestartet ist der Pilot im August 2021, mit drei zusätzlichen, neuen Mitarbeitenden. Speziell erwähnen möchte ich auch, dass jobtimal neben dem Vorstand seit rund vier Jahren über einen Beirat verfügt. Vertreten sind aktive Persönlichkeiten aus Wirtschaft, Sport und Politik; mit dabei ist Berner KMU-Dirketor Lars Guggisberg. Davor war bereits sein Vorgänger, Christoph Erb, Teil dieses Gremiums.

Auf was sind Sie besonders stolz?

jobtimal ist unterdessen ein gut etablierter Anbieter von Arbeitsintegrationsangeboten im Kanton Bern. Möglich gemacht haben dies die vielen Player, die bei jobtimal involviert sind und jobtimal mittragen. Mir impo-niert, wie sich Vorstand und Beirat tatkräftig für unser Angebot einsetzen, mit langem Schnauf, stets zielgerichtet und notabene unentgeltlich. Wir sind eng mit Zuweisenden (RAVs, Sozialdienste etc.) und mit Unter-nehmen unterwegs. Diese Zusammenarbeit läuft seit Jahren erfolgreich. Sämtliche jobtimal-Mitarbeitende sind tagtäglich mit viel Elan und Engagement unterwegs – und sehen sich dabei als Unternehmer für eine tolle Sache. All dies ist nicht einfach selbstverständlich – und erfüllt mich mit Stolz und Freude. Stolz auch, meinen Teil dazu leisten zu können.

Wie stark hat die Corona-Pandemie Jobtimal erschwert?

Auf den Punkt gebracht: Es kam zu weniger Vermittlungen – oder wenn, vermehrt zu temporären Anstellungen. Sprich, alles, was in der Wirtschaft ablief und noch abläuft, bildet sich für unser daily business eins zu eins ab. Personen konnten aus gesundheitlichen Gründen nicht vermittelt werden. Für einen Teil der vermittelten Personen, die über unseren Personalverleih liefen, meldeten wir Kurz-arbeit an. Vermittlungen kamen nicht zustande, weil grosse Planungsunsicherheit in den Betrieben herrschte. Gespräche mit Stellensuchenden, aber auch mit Betrieben wurden grösstenteils auf Telefon, Zoom, etc. umgestellt. Somit fielen z.T. für unsere Arbeit wichtige direkte Kontakte weg. Last but not least kam es auf allen Ebenen immer wieder zu Verschiebungen – wir haben schon seit längerem keine Auftritte und Präsentationsmöglichkeiten mehr, bei denen wir unser An-gebot vorstellen und bewerben können.

Welches sind die nächsten Ausbauschritte?

Einen Ausbauschritt haben wir gerade hinter uns – das neu als Pilot gestartete Angebot für über 50-Jährige. Sollte sich der Pilot als erfolgreich herausstellen, sähe ich jobtimal zum jetzigen Zeitpunkt als geeigneten Partner für ein Regelangebot in diesem Bereich. Auftritte in den Sozialen Medien sollen auch für jobtimal an Bedeutung gewinnen. Wir sind hier – ebenfalls in Kooperation mit dem Gewerbeverband Berner KMU – am Ausarbeiten eines entsprechenden Konzepts – mit der Idee, bald zu starten und erste Erfahrungen zu sammeln.

Gibt es eine Geschichte, die Ihnen besonders ans Herz geht?

Mir gingen im Laufe der Jahre sicher einige Geschichten ans Herz. Eine, die mich letztendlich in meine jetzige Tätigkeit führte, war diejenige eines Bäckermeisters, dessen Betrieb in Konkurs ging. Nach fünf oder sechs Anläufen schaffte er es, sich beim Sozialdienst zu melden. Im Gespräch begann er zu weinen, ein gestandener Mann, einiges über 50 Jahre alt, Zeit seines Lebens ein Chrampfer. Er weinte, weil er sich so schämte für seine Situation. Nie hätte er gedacht, dass er einmal arbeitslos werde – und auch noch auf Hilfe des Sozialdienstes angewiesen ist. Sein Credo über all die Jahre hinweg war: „Wer arbeiten will, der findet Arbeit!“ Nun erlebte er auf seine Bewerbungen hin Absage um Absage – und blieb arbeitslos. Über den Umweg eines Praktikums in einem Werkhof sowie einer kurzen Umschulung konnte er letztendlich in einen neuen Job vermittelt werden. Mir wurde damals bewusst, dass es überhaupt nicht einfach jeder in seiner Hand hat, ob er arbeiten will oder nicht. Und: Es kann wirklich jeden treffen.

Ihr jobtimal-Wunsch für das 2022?

Meine Erfahrung zeigt, dass sich bereits viele Berner Unternehmen sozial und insbesondere auch bezüglich Arbeitsintegration engagieren. Mein Wunsch für das Jahr 2022 und die weitere Zukunft ist, dass es noch mehr werden.

 

So funktioniert jobtimal

Anders als viele andere Sozialfirmen und Integrationsprogramme vermittelt jobtimal Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt und funktioniert nach dem Teillohnmodell. Der Arbeitgeber zahlt einen reduzierten Lohn, welcher der Leistungsfähigkeit angepasst ist. Den Rest übernimmt nötigenfalls der Sozialdienst. Die Unternehmen, die mitmachen, werden eng begleitet, denn nur wenn es für alle Seiten stimmt, ist die Arbeitsvermittlung auch nachhaltig. Aus diesem Grund führt jobtimal auch die Bewerbungsgespräche durch und schliesst dann mit dem Unternehmen einen Verleihvertrag ab, der maximal 24 Monate dauert und jederzeit in ein festes Arbeitsverhältnis überführt werden kann. Die enge Begleitung im gesamten Integrationsprozess übernimmt ebenfalls Franz Reber mit seinem Team. Auf diese Weise ergibt sich für die KMU kein zusätzlicher administrativer Aufwand und das Ganze ist absolut risikofrei.

Das neue Angebot „Supported Employment“ richtet sich an über 50-jährige Personen, die kurz vor der Aussteuerung stehen, mit Ziel, ihnen eine passende Stelle zu finden. Das Angebot dauert bis zu 18 Monaten und deckt damit auch die Zeit nach der Aussteuerung ab. Zur Sicherung der nach-haltigen Integration können bei Bedarf zusätzlich eine Aufwandsentschädigung an Arbeitgebende bezahlt und/oder Bildungsmassnahmen für die Arbeitnehmenden eingesetzt werden.

Fühlen Sie sich angesprochen? jobtimal ist auf der Suche nach weiteren KMU-Betrieben. Weitere Informationen und Erfolgsgeschichten finden Sie unter: www.jobtimal.ch.

Bei Fragen wenden Sie sich an: jobtimal@bern.ch und/oder 031 321 62 72

 

Das Online-Magazin von Berner KMU/PME Bernoises vom 18.01.2022: Link zum Beitrag

Der Bund «Mit 50  Jahren aus der Sozialhilfe zurück in den Arbeitsmarkt»

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Die Arbeitsvermittlung  Jobtimal der Stadt Bern setzt auf das Teillohnmodell: So sind auch Stellensuchende mit einer Leistungseinschränkung für Arbeitgeber attraktiv.

Nach langer Arbeitslosigkeit hat Urs Jufer (rechts) eine Stelle im Geschäft Vom Fass von Dirk Mewes gefunden. Bild: Valérie Chételat

2012 verlor Urs Jufer wegen der Spätfolgen einer schweren Lungenentzündung seine Stelle als Servicemonteur. Damals war er 47-jährig und hatte gerade eine neue Stelle angetreten. Sein Pech war es, dass die gesundheitlichen Probleme in der Probezeit auftraten und das Unternehmen keinen angeschlagenen Mitarbeiter fest anstellen wollte.

Als Jufer die Krankheit auskuriert hatte, meldete er sich beim Regionalen Arbeitsvermittlungszentrum (RAV) an, doch bald ereilte ihn der nächste Schicksalsschlag. Die Diagnose lautete: Gallenblasenkrebs. Jufer überstand die Behandlung gut. Nach sechs Monaten war er so weit genesen, dass er sich wieder auf Arbeitssuche begeben konnte. Doch obwohl er unzählige Bewerbungen schrieb, fand er keine Stelle. Vom RAV fühlte er sich in seiner Situation zu wenig unterstützt. «Dort muss man letztlich alleine eine Stelle suchen», sagt Jufer. Er wurde aus der Arbeitslosenversicherung ausgesteuert und musste zur Sozialhilfe.

Lohn nach Leistungsfähigkeit

Doch Jufer wollte unbedingt wieder arbeiten. Die Sozialhilfe vermittelte ihn ans Kompetenzzentrum Arbeit (KA) der Stadt Bern, wo er zunächst ein Jahr in der Velostation arbeitete, einem internen Betrieb des KA. Jufer wollte allerdings nicht von der Sozialhilfe abhängig bleiben und wurde an Jobtimal verwiesen, eine Stellenvermittlung für Langzeitarbeitslose des Sozialamts.

Anders als viele Sozialfirmen und Integrationsprogramme sucht Jobtimal Stellen auf dem ersten Arbeitsmarkt. Es funktioniert nach dem Teillohnmodell: Der Arbeitgeber zahlt einen reduzierten Lohn, der der verminderten Leistungsfähigkeit angepasst ist. Die Sozialhilfe ergänzt das Einkommen, falls das Existenzminium nicht erreicht wird.

Bereits nach drei Monaten klappte es bei Jufer. Im letzten Sommer erhielt er eine feste Anstellung beim Geschäft Vom Fass, das Speiseöle, Essige, Liköre und Spirituosen verkauft. Der heute 51-Jährige ist zuständig für die Lagerbewirtschaftung und das «Mise en place» im Laden, das Auffüllen der Regale. Die Stelle ist für Jufer ideal. Die Tätigkeit erlaubt ihm selbstständiges Arbeiten und ist abwechslungsreich. Dennoch fordert ihm die Arbeit einiges ab.

Das Warenlager befindet sich auf der dem Laden gegenüberliegenden Seite der Gerechtigkeitsgasse in einem tiefen Altstadtkeller. 50- bis 60-mal an einem Arbeitstag steigt er mit vollen Flaschen, leeren Gläsern und anderem Lagermaterial die steilen Stufen hinauf und hinab.

Arbeitgeber nimmt Rücksicht

Jufer hat immer wieder Phasen, in denen er kürzertreten muss. Geschäftsinhaber Dirk Mewes ermöglicht ihm, die Arbeitszeiten seiner gesundheitlichen Verfassung anzupassen. Einzig im Monat Dezember, in dem das Geschäft mit dem Geschenkverkauf einen Viertel seines Jahresumsatzes macht, muss Jufer sein Pensum auf 100 Prozent erhöhen. Für eine absehbare Zeit könne er dies verkraften, sagt er. Urs Jufer hat zurzeit eine Leistungsfähigkeit von 80 Prozent. Das heisst, der Lohn für seine 60-Prozent-Stelle ist um ein Fünftel reduziert.

Franz Reber, der Jobcoach von Urs Jufer, steht in regelmässigem Kontakt mit ihm und überprüft periodisch, ob die vertraglich festgelegten Rahmenbedingungen noch stimmen, etwa die Leistungsfähigkeit des Arbeitnehmers.

Mewes, seit 2014 Inhaber des Vom Fass, sieht sich als Kleinunternehmer in der Verantwortung, «der Gesellschaft etwas zurückzugeben». Deshalb habe er für die Lagerbewirtschaftung jemanden wie Urs Jufer gesucht. Auf Jobtimal wurde er von den städtischen Behörden aufmerksam gemacht. Mit Jufer habe er ein ganz normales Bewerbungsgespräch geführt, sagt Mewes. Vor seiner Anstellung hat Jufer eine Woche geschnuppert. Da er nicht nur im Lager arbeitet, sondern auch im Laden, wollte Mewes wissen, ob sich der künftige Mitarbeiter für den Kundenkontakt eignet.

In der Regel schliesst der Arbeitgeber mit Jobtimal einen Vertrag ab, der spätestens nach zwei Jahren durch ein direktes Arbeitsverhältnis zwischen der Firma und dem vermittelten Arbeitnehmer abgelöst werden muss. Mewes war von seinem neuen Mitarbeiter von Beginn weg so überzeugt, dass er mit Jufer direkt einen Arbeitsvertrag abschloss. Dieser enthält eine Ergänzung, in der die speziellen Bedingungen festgehalten sind.

40 Sozialhilfebezüger fanden Job

Felix Wolffers, Leiter des städtischen Sozialamts, sieht Jobtimal als Vorzeigeprojekt. Getragen wird es gemeinsam von Arbeitgebern, Gewerkschaften und der Stadt Bern. Jobtimal vermittelte bisher 40 Sozialhilfeempfänger in den Arbeitsmarkt. Die Beteiligung der Gewerkschaften ist für Wolffers wichtig, weil diese zunächst befürchteten, dass die Arbeitgeber das Angebot zum Lohndumping nutzen würden.

Diese Bedenken liessen sich aber entkräften, weil alle von Jobtimal vermittelten Arbeitnehmer eine reduzierte Leistungsfähigkeit aufweisen. Der Arbeitgeber muss zwar nicht den marktüblichen Lohn zahlen, nimmt dafür aber in Kauf, dass der Arbeitnehmer nicht voll belastbar ist. Auch wenn die Firmen ein soziales Engagement zeigten, rechne sich das Angebot für sie, sagt Reber.

(Der Bund, 24.03.2016: Link zum Artikel)